Unternehmerseminar

Vom 27.-28.2. fand in Oberleichtersbach in der Rhön, Lkr. Bad Brückenau, das vlf Unternehmerseminar unter dem Motto “Was Unternehmer erfolgreich macht - Zukunft statt Krise“

Der erste Seminartag startete mit der Werksbesichtigung der familien-geführten Firma holz´akzente GmbH & Co. KG in Schildeck. Diese hat sich einen Namen bei der Fertigung von Ladenausstattungen gemacht. Somit werden vor allem für die Textilindustrie möglichst intelligent und flexibel nutzbare Möbel zur Warenpräsentation gebaut. Während der Coronakrise standen die üblichen Absatzwege von Geschäftsführer Matthias Schäfer still. Die Läden waren geschlossen und somit wurde Ladenausstattung von heute auf morgen nicht mehr gebraucht. Dies bedeutete für Matthias Schäfer kreativ zu werden, umdenken, einen Weg aus der Krise finden. Mittlerweile kann er seinen Kunden nicht nur die hochtechnisierten Ladeneinrichtung zur perfekten Präsentation der Waren bieten, sondern hat auch ein einfaches preiswerteres Modularregalsystem enwickelt, welches Shopinhaber nach ihren Wünschen zusammenstellen oder erweitern können. Die Module können dabei ohne Experten aufgebaut und installiert werden, was für die Ladeninhaber eine flexible aber auch kostengünstige Möglichkeit der Warenpräsentation bedeutet und besonders in umsatzschwächeren Zeiten interessant sein kann.

Der persönliche und fachliche Austausch unter den Teilnehmern wurde durch eine gemeinsame Wanderung auf den Dreistelz gestärkt.  Dort konnte das wunderschöne Rhönpanorama bewundert werden.

Michael Horsch und Maxi Krimm, beide Betriebsleiter vom Gut Weimarschieden in der Hochrhön an der Grenze zu Thüringen, waren ebenfalls Referenten. Im Vortrag hat Horsch zunächst den historischen Hintergrund, als auch die aktuelle betriebliche Situation beleuchtet. Besonders in der Landwirtschaft muss sich stetig weiterentwickelt werden. Michael Horsch hat auch noch zwei weitere Betriebe in Gerthausen und Unterkatz in Thüringen. Aktuell experimentieren die beiden mit Ansätzen der regenerativen Landwirtschaft bei welchen sie schon spannende Erfahrungen machen konnten. Beim Prinzip der regenerativen Landwirtschaft liegt der Fokus auf den Boden und die Bodengesundheit. Dabei gilt die Gesundheit des Bodens als Basis für den erfolgreichen Ackerbau. Dieser Ansatz wird im Betrieb durch minimale Bodenbearbeitung, Untersaaten und den Einsatz von Komposttee und Effektiven Mikroorganismen angewandt. Ebenfalls stellten die beiden ihre Ansätze vor, um Personal zu finden und zu binden. Denn auch in der Landwirtschaft sind Arbeitnehmer immer schwieriger zu gewinnen.

Als abschließender Vortrag des ersten Seminartages stellte Thorsten Schuler die spannende Arbeit seiner österreichischen Firma Best Genectics vor. Diese beschäftigt sich mit gesextem Rindersperma und genomischer Zuchtwertschätzung in der Rindergenetik. Des Weiteren gab er einen Einblick in die aktuelle Entwicklung der Finanzmärkte.

Am Morgen des zweiten Seminartages stand eine Betriebsbesichtigung bei Demeter-Landwirt Ludwig Weber am Steffeshof an. Dieser betreibt auf ca. 90 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche Biolandwirtschaft nach den Demeter Richtlinien. Seine wichtigste Motivation für den Beruf ist das Tierwohl. Es ist ihm besonders wichtig, dass seine Rinder reichlich Platz, Luft und Licht haben. Dies ermöglicht er durch ganzjährige Offenstall- und Weidehaltung. Neben Rindern hält Ludwig Weber auch Rotwild und Rhönschafe, die als gefährdete Nutztierrasse gelten.

Neben einer hofeigenen Bäckerei, in welcher das eigen angebaute Getreide frisch gemahlen und verbacken wird, gibt es auf dem Steffeshof auch einen Hofladen in welchem unter anderem das eigene Fleisch von Rind, Schaf und Rotwild direkt vermarktet wird.


Neben dem Tierwohl ist für Ludwig Weber ebenfalls der Boden ein besonderes Anliegen. Er versucht durch wenig Bodenverdichtung und Ausaat von Zwischenfrüchten den Boden lebendig zu halten und eine gute Bodenstruktur zu gewährleisten. Dies sei der entscheidende Faktor, sowohl im Ökolandbau als auch in der konventionellen Landwirtschaft, um seinen Betrieb für weitere Trockenheitsperioden zu wappnen und die Wasserspeicherkapazität und Nährstoffverfügbarkeit zu erhöhen.

Im Anschluss hat Stefan Zeier von GKN Sintermetals, mit Standort in Bad Brückenau, einen Einblick gegeben wie das Unternehmen als Verbrennertechnikhersteller in Zeiten der E-Mobilität umgeht. Aber nicht nur das Verbrenner Aus durch die EU stellt sich als Herausforderung dar. Im Laufe der letzten 16 Jahre musste GKN Sintermetals mit einigen Krisen bzw. Herausforderungen in der Betriebshistorie kämpfen. Jedoch sieht Zeier Krisen nicht nur als Herausforderung, sondern auch als Chance für die Weiterentwicklung des Unternehmens.

Ein positives Resümee können die Veranstalter des Seminars, die vlf-Bezirksverbände Unterfranken und Oberfranken ziehen. Einige Teilnehmer haben sich schon für das nächste Unternehmerseminar, welches 2025 in Oberfranken stattfinden wird, vormerken lassen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass kein Unternehmen vor Krisen sicher ist, doch ein entscheidender Faktor für das Fortbestehen ist die Weiterentwicklung des Unternehmens und lösungsorientiertes Handeln in Zeiten von Krisen.

 


Maria Baier

Bericht von der Hauptversammlung des VLF und des VLM

Gemeinsame Bezirksversammlung des vlf und VLM

Der vlf Hof war  der Ausrichter der gemeinsamen Bezirksversammlung des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) und des Verbands der Landwirtschaftsmeister (VLM) in Oberfranken am Sonntag, den 19. November 2023 im Veranstaltungsraum des Bauernhofmuseums Kleinlosnitz, Landkreis Hof. Professor Peer Ederer aus der Schweiz referierte zum Thema „Kühe und Klima“.

Im Folgenden einige zentrale Aussagen aus seinem Vortrag, zusammengestellt von Karl Fischer, vlf Hof:

Futterpflanzen binden über die Photosynthese Kohlendioxid (CO2) aus der Luft. Rinder fressen und verdauen die Futterpflanzen. Im Pansen der Wiederkäuer entsteht Methan (CH4), welches die Tiere über ihren Schlund in der Atmosphäre abgeben. Das Methan wird dort wieder zu Kohlendioxid abgebaut. Dieses Kohlendioxid wird wieder von Futterpflanzen gebunden. Ein Kreislauf seit es Wiederkäuer gibt.

Aus Daten zur Entwicklung der Methankonzentration in der Atmosphäre zeigt sich ein deutlicher Anstieg in den letzten 250 Jahren mit Beginn der Industrialisierung. Methan ist neben Kohlendioxid und Lachgas eines der „Treibhausgase“, die für die Erderwärmung verantwortlich sind.

Der Anstieg bei Methankonzentration in der Luft kann aber nicht mit dem Methanausstoß der Wiederkäuer erklärt werden, denn deren Zahl ist im gleichen Zeitraum nicht entsprechend angestiegen. In Europa ist die Zahl der Rinder sogar gesunken. Es ist also nicht zielführend die Zahl der Rinder zu verringern, denn die Kühe sind nicht die Verursacher für den Anstieg der Methankonzentration in der Atmosphäre.

Eine starke Reduzierung der Rinderbestände in Europa würde eher Schaden als Nutzen verursachen, denn die Nutzung des Grünlands würde drastisch eingeschränkt. Der Grünlandaufwuchs wird ja erst über die Rinder für die menschliche Ernährung verfügbar in Form von Milchprodukten und Fleisch.  

Sicher ist es von größter Bedeutung, die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre zu verringern, um die Überhitzung unseres Klimas zu vermeiden. Doch gerade bei Methan muss die Wissenschaft noch viel erforschen, um die Zusammenhänge von Herkunft und Abbau dieses Gases in der Atmosphäre zu verstehen.

Wer aber die Kuh zum Sündenbock für den Klimawandel macht, irrt sich gewaltig.

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